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10.10.05
Stern berichtet über Zeitsprung infotainment
In seiner Ausgabe vom 29.9.2005 berichtet der Stern: Bei Warten Werbung: In immer mehr Praxen flimmert PATIENTEN-TV — vor allem, um ärztliche Zusatzleistungen anzupreisen Das Wartezimmer des Berliner Urologen Naseem Siddiqyar ziert seit zwei Monaten ein kleiner Flachbildschirm. Dezent, knapp unterhalb der Decke. „Erektile Disfunktion? Die schönen Momente des Lebens kann man nicht planen“, verkündet eine Laufschrift auf dem Monitor. Es folgen Informationen zu Potenzstörungen, Prostata- oder Blasenkrebsvorsorge. Zwischendurch gibt es Kurzfilme von Studenten europäischer Filmakademien. Der Ton ist stumm geschaltet, die Patienten gucken trotzdem hin und erfahren so alles über die „Individuellen Gesundheitsleistungen“, kurz IGeL genannt, die Siddiqyar in seiner Praxis anbietet. Auf dem Tisch liegt eine Preisliste: Rund 24 Eur kostet die Blutabnahme zur Bestimmung des prostataspezifischen Antigens, 37 Euro die Ultraschalluntersuchung der Niere. ‚Wartezeit ist Werbezeit“ propagieren die Anbieter von Wartezimmer-TV-Programmen auf so genannten IGel-Kongressen. 1998 hatte die Kassenärztliche Vereinigung die Individuellen Gesundheitsleistungen erfunden, um den Ärzten nach der Gesundheitsreform Zusatzverdienste zu ermöglichen. Noch weiss Siddiqyar nicht, ob sich sein Apparat rechnet. 77 Euro zahlt er dem Anbieter »Zeitsprung Infotainment“ monatlich und bekommt dafür sein eigenes Programm ohne Fremdwerbung. „Der Wunsch nach Information ist groß. Und die Patienten sind dankbar“, sagt der Urologe. Deren Nachfrage an privat abzurechnenden Leistungen beginne bereits zu steigen. (...) »Es ist ein sensibles Thema, Gesundheitsleistungen zu verkaufen. Das muss man dezent und seriös tun. Der Bildschirm darf nicht zu groß sein, die Filme müssen mehr aufklären als werben“, sagt Frederik Barmeyer von »Zeitsprung Infotainment‘ Der Filmfreak und Kaufmann betreut gemeinsam mit Patrick Metzger im ersten Geschäftsjahr rund 50 Kunden. In zehn Jahren, prophezeit der Arztsohn, werde das System Standard in den Praxen sein. (...)
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